Defekte Klimaanlage im ICE

10. August 2010

„Es ist ein Unding, dass Zugbegleiter oder Lokomotivführer nach solchen Vorfällen angeklagt werden.“ Das erklärte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer Claus Weselsky als Reaktion auf die heutige Anklage des Zugchefs im Zusammenhang mit der defekten Klimaanlage des ICE. Beide erhalten ihre Anweisungen von den Betriebs- oder Transportleitungen. Eigenständig dürfen sie nur bei Gefahr für Leib entscheiden. Bei den defekten Klimaanlagen und überhitzten ICEs bestehen bei der Einschätzung der Lage gleich zwei Probleme:

  • Erstens ist das Empfinden der Reisenden bei hohen Temperaturen sehr unterschiedlich. Für den einen ist es lediglich heiß, während andere sehr viel empfindsamer reagieren.
  • Zweitens leiden Lokomotivführer und Zugbegleiter unter den gleichen schlechten Bedingungen in den Zügen. Beide sind jedoch in erster Linie Eisenbahner, die ihre Verantwortung wahrnehmen, die Reisenden trotz technischer Mängel, die nicht betriebsgefährdend sind, pünktlich ans Ziel zu bringen.

Eine regelmäßige Unterbesetzung mit Zugbegleitern führt darüber hinaus zu enormen Belastungen unserer Kollegen. Damit einhergehend ist eine notwendige Präsenz in den einzelnen Zugabschnitten nicht immer gewährleistet. Ein Zugbegleiter kann daher nicht immer sehen, ob es einem Fahrgast schlecht geht.

Die DB hat mittlerweile eine Weisung herausgegeben, wie bei hohen Temperaturen in den ICEs zu verfahren ist. Das richtige Verhalten hätte auch in der Aus- und Weiterbildung geschult werden können. Leider musste erst ein Vorfall passieren.

Es sind Mängel in den Zügen, die zwar nicht betriebsgefährdend sind, die aber trotzdem sehr unangenehm sein können, wie die defekten Klimaanlagen zeigen. Ursache ist sicher auch eine nicht voll umfängliche Wartung aller Komponenten in den Zügen. „Dies wurde früher gewährleistet, ist aber durch den Spar- und Börsenkurs zunehmend verloren gegangen. Eine vorbeugende Instandhaltung aller Komponenten ist das, was diese Eisenbahn nicht nur für ihr Image, sondern auch für einen qualitativ hochwertigen Eisenbahnverkehr benötigt. Nur dadurch können die Belastungen von Lokführern und Zugbegleitern gesenkt und damit einhergehend auch die Kundenzufriedenheit gewährleistet werden, so Weselsky: „Hier muss das DB-Management unter Herrn Grube noch wesentlich schneller und härter korrigierend eingreifen als bisher.“

 

Quelle: http://www.gdl.de/pmwiki.php?n=Aktuell.Pressemitteilung-1279204858

Bahn plant in Nürnberg vorerst ohne den Hennigsdorfer Superzug Talent 2

07. August 2010

NÜRNBERG/POTSDAM - Er sollte das neue Flaggschiff im Regionalverkehr der Deutschen Bahn werden – der Talent 2, der im Bombardier-Werk in Hennigsdorf (Oberhavel) gebaut wird. Doch mittlerweile hat der neue Zug einen kapitalen Fehlstart hingelegt. Weil das Fahrzeug bislang vom Eisenbahnbundesamt (EBA) noch nicht zugelassen ist, hat sich bereits die Auslieferung für die Moseltalbahn in Rheinland-Pfalz und die Regionalstrecke zwischen Cottbus und Leipzig verzögert (MAZ berichtete). Gestern musste Bombardier-Deutschlandchef Klaus Baur nun einräumen, dass es auch mit der Auslieferung von 42 Zügen an die neue S-Bahn in Nürnberg zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember wohl nichts wird.

Baur entschuldigte sich dafür bei „der Deutschen Bahn, den Fahrgästen und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft“. 30 Talent 2 für Nürnberg seien fertig, der Rest befinde sich in der Endmontage. Allen fehlt aber nach wie vor die Zulassung.

Vor allem an der Software der Fahrzeuge müssten Änderungen vorgenommen werden, so Baur. Sie habe die fehlerhafte Steuerung von Bremsen, Antrieb und etlichen anderen Komponenten verursacht, die unter anderem dazu führten, dass drei zu Schulungszwecken gelieferte Züge im Juli von der Bahn für unbrauchbar erklärt und zurückgeschickt wurden.

Die Schwierigkeiten bei der Fertigung sind laut Baur vor allem dadurch entstanden, dass sich während des langwierigen Zulassungsprozesses internationale Normen verändert hätten. Weil jedes von der Bahn abgerufene Fahrzeuglos auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten ist, müsse es extra vom Eisenbahnbundesamt abgesegnet werden. Für das Werk in Hennigsdorf mit 2000 Beschäftigten hat die Verzögerung laut Baur keine Folgen: „Die Produktion läuft ja, der Standort ist ausgelastet.“

Fakt ist, dass nicht nur Bombardier Probleme mit der Zulassung von neuen Fahrzeugen durch das Eisenbahnbundesamt hat. Ende des vergangenen Jahres konnte der private Bahnbetreiber Eurobahn den Verkehr auf zwei Regionalexpresslinien in Nordrhein-Westfalen zunächst nicht im geplanten Umfang starten. Der Grund: Einige Fahrzeuge des Typs Flirt des in Berlin produzierenden Herstellers Stadler hatten noch keine Zulassungen. In Bayern indes fehlten im Dezember zum Teil monatelang Fahrzeuge des Typs Coradia Continental des Herstellers Alstom wegen fehlender Zulassung.

Bombardier-Manager Baur räumte ein, die neue Komplexität der Zulassungsprozesse „haben wir unterschätzt“. In Zukunft werde man „überdenken, ob Liefertermine von zwei Jahren wie bisher überhaupt noch zugesichert werden können“. (Von Gerald Dietz und Arno Stoffels)

Erhebliche Nachteile für die Bahn und die Fahrgäste:

Die verspätete Lieferung des Talent 2 verursacht der Deutschen Bahn große Probleme. Für die Nürnberger S-Bahn, die ab Dezember auf das Dreifache ihres bisherigen Streckennetzes anwachsen soll, müssen nun aus ganz Deutschland gebrauchte Fahrzeuge beschafft werden.

150 Lokführer und 100 Beschäftigte in den Werkstätten, die teilweise bereits auf dem Talent 2 geschult worden sind, müssen jetzt auf die Ersatzfahrzeuge vorbereitet werden. Zur Höhe der entstehenden Mehrkosten wollte die Bahn gestern keine Angaben machen.

Für die Fahrgäste bringt die Verzögerung erhebliche Unbequemlichkeiten. Die Bahnsteighöhen im neuen S-Bahn-Netz sind auf den Talent 2 zugeschnitten. Jetzt sind bis zu 20 Zentimeter Höhenunterschied zu überwinden. MAZ

 

Quelle:http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11861491/485072/Bahn-plant-in-Nuernberg-vorerst-ohne-den-Hennigsdorfer.html

Streit um einheitliche Tarife für Eisenbahnbranche

04. August 2010

Berlin (dpa) – Im Streit um einheitliche Tarife für die Eisenbahnbranche fordert die Gewerkschaft Transnet von den Konkurrenten der Deutschen Bahn eine klare Linie. Der Arbeitgeberverband Deutscher Eisenbahnen (AGVDE) dürfe sich nicht länger einem Branchentarifvertrag verweigern.

Das sagte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner am Dienstag der Deutschen Presse- Agentur dpa. Transnet, deren Schwestergewerkschaft GDBA und die Lokführergewerkschaft GDL führen derzeit Verhandlungen über Branchentarife. Außer der Deutschen Bahn (DB) sind auch fünf große private Unternehmen dazu bereit, der AGVDE jedoch nicht.

In Berlin verhandelten die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und die Bahn am Dienstag über erste Details eines Vertrages, der am Ende für alle 20 000 Lokführer in Deutschland gelten könnte. Dazu müsste aber auch noch eine Einigung mit großen Privatbahnen erzielt werden.

Es gehe um ein «sehr komplexes und in Deutschland bislang einmaliges Werk», sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky vor Verhandlungsbeginn. Er rechne deshalb nicht mit einer schnellen Einigung. Bis zum Spätnachmittag wurden keine Zwischenergebnisse bekannt. Der GDL ist ebenso wie Transnet und GDBA wichtig, dass Beschäftigte bei Wechsel eines Bahnbetreibers nach Neuvergabe eines Streckennetzes nicht ihren Arbeitsplatz verlieren. Die GDL pocht auf diesem Grundsatz für ihre Klientel, die Lokführer.

Deutsche Bahn und GDL hatten in der Vorwoche vereinbart, dass ein Branchentarifvertrag für mindestens 90 Prozent der 20 000 Lokführer in Deutschland gelten müsse, wie Weselsky berichtete. Da 80 Prozent bei der DB angestellt seien, müssten auch die Privatbahnen «maßgeblich in die Verhandlungen einbezogen werden». Am 23. August werde die GDL sich erstmals mit Vertretern der fünf großen DB- Konkurrenten Veolia, Abellio, Arriva, Keolis und Benex treffen.

Transnet-Chef Kirchner betonte, Ziel des geforderten Vertrages sei nicht, mehr Geld für die Beschäftigten herauszuholen. Es gehe vielmehr darum, bei künftigen Ausschreibungen von Bahnstrecken «einen Standard für Einkommen und Arbeitsbedingungen festzulegen, den die Arbeitnehmer heute bereits haben».

Im Arbeitgeberverband AGVDE sind rund 120 Bahn- und Busunternehmen Mitglied, die nicht zur bundeseigenen Deutschen Bahn gehören, zum Beispiel die Hessische Landesbahn und die Osthannoverschen Eisenbahnen. Der AGVDE vertritt die Auffassung, dass ein Branchentarifvertrag die starke Position der DB zementieren würde. Die Bahnkonkurrenz habe «nur ihre niedrigen Personalkosten als Wettbewerbsvorteil». Kirchner entgegnete, der Wettbewerb müsse über Leistung und Qualität ausgetragen werden und nicht darüber, «wer die billigsten Arbeitnehmer hat».

Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1023042